Montag, 2. Mai 2016

"Der Lehrstuhl - das bin ich" - Johannes Varwick und die Demokratie

Zugegeben – für diejenigen, die unsere frühere Kritik an der Person Johannes Varwick etwas verfolgt haben, erscheint es als eine Provinzposse, wenn sich Studierende über einen liberalen Professor aufregen, dessen Liberalismus allerdings ohne das Prinzip der Trennung von Politik und Militär funktioniert. Vielleicht wäre es im Angesicht des RCDS, der die Bestellung von Kondomen zu einer gesellschaftlichen Gretchenfrage umdichtet, auch gar nicht wichtig. Sein Facebook-Auftritt, den er stolz unter dem Namen des Lehrstuhles betreibt, und nur ein kleines Licht am Meinungshimmel der Internationalen Beziehungen (IB) ist, beherbergt aber Positionen, die bei der Betrachtung der aktuellen gesellschaftlichen Lage in Sachsen-Anhalt mindestens kontraproduktiv sind, wenn nicht sogar dazu beitragen, dass ein Widerstand gegen die offen voranschreitende rassistische Politisierung durch die AfD erschwert wird.

Die politischen Aktivitäten von Herrn Varwick sind aus folgenden Gründen kritisch zu sehen. Fangen wir bei seinem Engagement für die Bundeswehr und die NATO an. Seit 2014 ist er Beirat der Clausewitz-Gesellschaft, welche bekannt für ihre Verbindung zur Bundeswehr ist, sich aus Ex-Militärs und aktiven Offizieren konstituiert, und bereits früher durch kriegsverherrlichende Anwandlungen aufgefallen ist, wozu auch die Ehrenmitgliedschaft ehemaliger NS-Generäle und NPD-Kontakte zählen. [1] Varwick wirbt auch für eine Exkursion nach Brüssel, in deren Fokus eine Diskussion mit "Experten" der NATO stehen soll. Dabei nutzt er geschickt den Expertenbegriff in Verbindung mit der oberflächlichen Legitimität seiner Seite aus: Als Träger einer Professur gilt seine vorgefertigte Meinung als Wissen, weil man ihm eben Expertise oder Fachkenntnis unterstellt. Anti-militaristische Meinungen oder gar Exkursionsangebote findet man bei ihm natürlich nicht. [2]

Mittwoch, 1. Juli 2015

Ein "unappetitlicher" Professor



Wir sind erschüttert über die Äußerungen des Professors für Internationale Beziehungen und europäische Politik in Halle. Varwick äußerte sich in einem Interview mit dem Deutschlandfunk zur sicherheits- und geostrategischen Bedeutung Griechenlands, die es notwendig mache, von Griechenland nicht abzurücken[1]. Varwicks Haltung hat jedoch nichts mit Griechenland-Solidarität zu tun, sondern offenbart erneut eine Kriegsrhetorik und diesmal einen Anti-Humanismus. Doch was hat er gesagt? 

Montag, 15. Juni 2015

Austritt aus dem Projekt Alternative Mensa (PAM)



Der SDS.Die Linke MLU war als Bündnispartner_in an der Gründungdes PAM beteiligt. Aus diesem Projekt ziehen wir uns nach längeren internen Diskussionen zurück. Bei den Planungen für das Projekt sind bündnispolitische Differenzen aufgetreten, die unseres Erachtens nicht zu überbrücken sind.  Abgesehen davon, dass Vertreter_innen der Grünen Hochschulgruppe (GHG) im Kontext des Unisportfestes den veganen Strongman Patrick Baboumian eingeladen haben, obwohl ihnen die Kritik an seiner Person als rechtssymphatisierenden Verschwörungstheoretiker bekannt war. Baboumian wurde erst aufgrund unserer Kritik wieder ausgeladen. Es gab für uns jedoch einen anderen ausschlaggebenden Grund, um das Bündnis zu verlassen. 

Donnerstag, 11. Juni 2015

Kritik an reaktionären ProfessorInnen ermöglichen!

Wir, der SDS.Die Linke MLU, solidarisieren uns mit der Juso-Hochschulgruppe Halle und besonders mit den GenossInnen, die gegenwärtig Opfer reaktionärer Angriffe werden und erwarten, dass sie weiterhin für Antifaschismus streiten. Doch was ist passiert? Anfang Juni hat die Juso-Hochschulgruppe eine Mail an verschiedene Lehrstühle der Politikwissenschaft an der MLU geschickt, in denen die „Entkanonisierung“ von Texten des Dresdner TU-Professors und Pegida-Verstehers Werner J. Patzelt gefordert wurde. Unter anderem weil Patzelt die Pegida-Bewegung als legitimen Protest bezeichnet und die Gegendemonstrationen als schädlich für das gesellschaftliche Klima abstempelt, stellt er die Verhältnisse auf den Kopf und solidarisiert sich mit einer im Kern rechten Bewegung1. Damit macht er die nationalistischen und rassistischen Positionen Pegidas salonfähig und gibt ihnen einen angeblich legitimen Platz im gesellschaftlichen Diskurs. Dem bürgerlichen Rassismus und Nationalismus ist jedoch entschieden entgegenzutreten - nicht nur, weil er den gesellschaftlichen Nährboden für faschistische Tendenzen bietet, sondern auch, weil er innerhalb der bürgerlichen Gesellschaft Verhaltensmuster zur Norm erhebt, die solche Herrschaftsstrukturen begründen. Antifaschismus heißt für uns, diese Kritik immer wieder sichtbar zu machen und jede Verharmlosung menschenverachtender Ideen zu stigmatisieren.

Montag, 1. Juni 2015

Just do it. Again! Nazidemo in Merseburg blockieren!

Text von: Antifa Merseburg

Provinzstadt Merseburg. An Mauern tauchen regelmäßig neue Nazischmierereien auf, Aufkleber mit nazistischem Inhalt kleben an den Ampeln und Laternen, rassistische Pöbeleien und Angriffe sind Alltag. Nazis dominieren das Stadtbild nach wie vor. Am 20. Juni wollen sie hier wieder aufmarschieren und sich als Hegemonialmacht präsentieren.

Neue Strukturen…
Seit 2011 marschieren Neonazis jährlich durch Merseburg und inszenieren sich als Kämpfer für die Freiheit. Sie nehmen den Arbeiteraufstand vom 17.Juni 1953 zum Anlass, um gegen Flüchtlinge, Europäische Union und Antifaschisten zu hetzen. Nachdem die Demo im letzten Jahr erfolgreich blockiert werden konnte, wurden für dieses Jahr zwei Routen angemeldet. Jedoch nicht, wie die Jahre zuvor, von der lokalen Kameradschaftstruktur, sondern von Christian Worch, dem Bundesvorsitzenden der Partei “Die Rechte”. Seine Partei hat ein Auge auf Sachsen-Anhalt geworfen. In Regionen, in denen zukünftige Asylbewerberheime brennen, sieht man Potential. Zur Landtagswahl 2016 soll sie hier antreten und mit erfolgreichen Demos malt sie sich wohl bessere Chancen aus. Doch nicht nur Die Rechte baut sich hier auf, auch die bayrische Neonazipartei “Der III. Weg” wird in der Gegend aktiv. Im April 2015 wurde der „Stützpunkt Mittelland“ für den Raum „Leipzig, Halle, Merseburg und Umland“ gegründet.   

Die Freiheit, die sie meinen…
Der Aufruf in diesem Jahr macht deutlich für welche Freiheit die Nazis auf die Straße gehen wollen. Das diesjährige Motto “Rede & Meinungsfreiheit erkämpfen” versucht an den rechten Redefreiheitdiskurs von Montagsmahnwachen, PEGIDA und LEGIDA anzuknüpfen, um so mehr Teilnehmer zu gewinnen. Wenn diese Gruppierungen den Mund aufmachen, hört man nichts als plumpe, rassistische und antisemitische Stimmungsmache. Sowas wird dann als Meinungsfreiheit gedeutet. 
Getreu der Stammtischparole “Das wird man ja wohl noch sagen dürfen” stellt man sich als Opfer der Justiz dar. Die Spitze des Eisberges der “Unfreiheit und Unterdrückung” des deutschen Volkes finde sich in der juristischen Verfolgung von “Meinungsdelikten”. Dabei ist klar was eigentlich gemeint ist. Die Nazis kämpfen in Merseburg für die Freiheit ungestraft den rechten Arm zu heben, “Sieg Heil” zu schreien und gegen alles zu hetzen, was für sie nicht zur deutschen Volksgemeinschaft gehört. 
Volksverhetzung ist ein fester Bestandteil nationalistischer Politik: Die aggressive Abgrenzung gegen alles Fremde und alles, was der nationalen Homogenität nicht freundlich gesinnt ist, soll volksgemeinschaftliche Identität nach Innen schaffen. Die Selbstermächtigung, den Willen der Volksgemeinschaft durchzusetzen, ist das, was sie unter Freiheit des deutschen Volkes verstehen. Für die Folgen dieser Selbstermächtigung sind Bitterfeld und Tröglitz nur zwei Beispiele unter vielen.

Nationalisten stoppen…
Wir gönnen den Nazis keinen Erfolg. Nicht beim Aufbau einer Volksgemeinschaft und nicht beim Abstauben von Wahlkampfmitteln. Wenn die Partei Die Rechte am 20. Juni, gemeinsam mit den regionalen Kameradschaften, durch Merseburg marschieren will, werden wir sie blockieren! Kommt nach Merseburg und macht ihre Demo erneut zum Desaster!  
fertsch

Dienstag, 12. Mai 2015

Subjektiver Erlebnisbericht zu Bitterfeld


Bitterfeld, ein Ort in Sachsen-Anhalt ca. eine Stunde von Halle entfernt, und eine Kleinstadt, in der seit mehreren Monaten vermehrt nicht-rechte und migrantische Menschen angegriffen werden.

Als Folge darauf fand am Sonntag, den 10. Mai eine antifaschistische Kundgebung in Bitterfeld statt. An dieser nahmen ca. 450 Menschen teil und drückten kraftvoll und lautstark ihre Wut über die Situation aus.

Trotz der Tatsache, dass die vor kurzem aufgelöste Neonazigruppe OSS (Oldschool Society) für Bitterfeld mobilisierte und mittags bereits eine Neonazimahnwache auf dem Markt stattfand, war die Polizei zahlenmäßig wenig vor Ort und schien die Lage nicht immer unter Kontrolle zu haben. So stoppte sie die Demonstration mehrmals mit der Begründung, dass in der Stadt noch Gruppen von Nazis unterwegs seien. Außerdem setzte sie Pfefferspray gegen Teilnehmende ein, als sich die Demonstration vor der Wohnung eines stadtbekannten Nazis befand. Zudem filmte sie bereits ab Beginn der Demonstration widerrechtlich den gesamten Demozug und kriminalisierte damit bereits von vornherein die Veranstaltung.
Vom Bahnhof aus ging es mit Sprüchen wie: "Bitterfeld hat ein Naziproblem" und "Aufruhr, Widerstand! Es gibt kein ruhiges Hinterland" zum Marktplatz, an dem der erste Redebeitrag verlesen wurde. Dieser thematisierte die Montagsdemos, welche man getrost als Brennglas des rechten Mainstreams der Stadt bezeichnen kann. So wurde bei vergangenen Montagsdemos die bekannte Naziband Sleipnir als Intro für die verlesenen Reden verwendet, welche sich inhaltlich zum Teil noch rechts von Legida positionierten.
Weiter ging es dann über den Schweinemarkt in Richtung Rathausplatz, wo der zweite Redebeitrag verlesen wurde. Dieser kritisierte insbesondere die Polizei, welche die Betroffenen rechter Gewalt für die Übergriffe verantwortlicht machte und diesen, mit einer sogenannten Gefahrenansprache für Intensivtäter, klar machte, wen sie als das eigentliche Problem ansah. Eine Betroffene schilderte ein Beispiel dafür: Bereits bei der Zeugenaussage zum Brandanschlag sei der Staatsschutz anwesend gewesen und sprach davon, “dass, wenn du so weiter machst, du dich nicht wundern musst, dass so etwas passiert”.
Weiter ging es dann durch die Wohngebiete, vorbei an stadtbekannten Naziwohnungen, immer wieder mit der Ansage an die Menschen in Bitterfeld, warum an einem Sonntagnachmittag eine Demonstration abgehalten werden muss.
Der dritte Redebeitrag wurde in der Nähe der Grundschule verlesen und thematisierte das gesamtrassistische Klima in der Stadt, das sich zum Beispiel in Übergriffen auf Geflüchtete am helllichten Tag und Angriffen auf nichtrechte Menschen in ihren Wohnungen äußert.
Nach ca. drei Stunden waren wir wieder am Bahnhof angekommen und konnten ohne weitere Probleme die Rückreise nach Halle antreten.

zum Weiterlesen:


https://www.antifainfoblatt.de/artikel/bitterfeld-und-seine-neonazikader

Donnerstag, 12. Februar 2015

Fundstück der Woche



Achtung: Dieses Fundstück der Woche beschäftigt sich mit emotionaler und psychologischer Misshandlung, häuslicher Gewalt und Vergewaltigung.

Am 12. Februar kommt die Verfilmung des „Erotik-Klassikers“ 50 Shades of Grey ins Kino - Gerade rechtzeitig für große Valentinstagsspezialvorführungen und noch mehr „die größte Liebesgeschichte des Jahres“ und „so findest du deinen eigenen Christian Grey“ – Gehype. Dabei sollte mensch die „50 Shades“- Trilogie durchaus kritisch sehen. Mehrere Organisationen, die sich gegen häusliche Gewalt und Misshandlung aussprechen, haben zu einem Boykott gegen den Film aufgerufen, unter anderem mit dem Hashtag „#50dollarsnot50shades“, der dazu aufruft, 50 Dollar an Frauenschutzhäuser und andere Organisationen zu spenden. Aber warum?

Blogger_innen, Feministinnen und Aktivist_innen haben lautstark immer wieder kritisiert, dass in der „50 Shades“ - Trilogie häusliche Gewalt und Misshandlungen normalisiert werden. Christian Grey würde Anastasia Steele immer wieder misshandeln, ohne dass es in der Trilogie jemals so benannt oder gar kritisiert wird.

Die meiner Meinung nach beste Zusammenstellung der Momente, in denen Christian Grey auf verschiedenste Weise Gewalt gegen Anastasia anwendet, findet man auf dem Blog „theramblingcurl.wordpress.com“ und dieser Blogeintrag mit dem Titel „50 Abusive Moments in 50 Shades“ (lose übersetzt etwa: 50 Misshandlungs - Momente in 50 Shades) ist das heutige Fundstück der Woche.

Was für missbräuchliche Momente gibt es also in 50 Shades of Grey?

Stalking – Es gibt mehrere Szenen, in denen Christian Grey bereits vor dem „offiziellen“ Beginn seiner Beziehung mit Anastasia unerwartet an Orten auftaucht, an denen sie ebenfalls ist, obwohl er dafür keinen Grund hat. So fährt er bereits im zweiten Kapitel des ersten Buches mehrere hundert Kilometer, um sie auf Arbeit zu besuchen – obwohl sie ihm nicht gesagt hat, wo sie arbeitet. In einer späteren Szene ruft Anastasia ihn betrunken aus einem Club heraus an. Christian verlangt wütend, zu erfahren, wo sie ist, und, als sie sich weigert, ihm zu antworten und auflegt, ortet er Anastasia über ihr Handy und taucht in besagtem Club auf. Zu diesem Zeitpunkt sind die beiden nach wie vor nicht in einer irgendwie gearteten Beziehung. Außerdem stellt sich im Laufe des Buches heraus, dass Christian Grey Anastasias Adresse, Bankdaten, vertrauliche medizinische Informationen und Adressen von Anastasias Familienmitgliedern kennt, ohne dass sie ihm diese gegeben hätte. Aber der vermutlich heftigste Fall von Stalking kommt vor, als Anastasia Abstand wünscht und ihre Mutter in Georgia besuchen fliegt, um in Ruhe entscheiden zu können, wie ihre Beziehung mit Christian weiter gehen soll. Nicht nur, dass Christian heimlich ihren Flug umbucht, damit sie erste Klasse fliegen kann, nicht einmal 24 Stunden nachdem er ihr versprochen hat, ihr Abstand zu geben, taucht er unangekündigt bei ihrer Mutter zu Hause auf.

Kontrollierendes und besitzergreifendes Verhalten – In mehreren Szenen zeigt sich Christian als besitzergreifend und kontrollierend Anastasia gegenüber und isoliert sie unter anderem bewusst von ihren Freunden und ihrer Familie. So hat er einen Wutanfall, als ein männlicher Freund Anastasia anruft und überredet Anastasia, eine Verschwiegenheitserklärung zu unterzeichnen, damit sie mit niemandem über ihre Beziehung zu Christian sprechen kann. In einer späteren Szene befiehlt er ihr, die Pille zu nehmen und, als sie ihn daran erinnert, dass es ihr Körper ist, antwortet er: „Und auch meiner“. Er kauft den Verlag, in dem sie nach ihrem Uniabschluss zu arbeiten beginnt, damit er sie auf Arbeit kontrollieren lassen kann und als in einer Galerie mehrere großflächige Fotos von ihr veröffentlicht werden, kauft Christian alle, damit „kein anderer Mann sein Eigentum beglotzen kann“. Nachdem er Anastasia in den Club gefolgt ist, in dem sie mit ihren Freund­­­_innen feiert, nimmt er die betrunkene Ana mit in sein Hotelzimmer, obwohl sie ihn an diesem Abend nicht sehen wollte, damit ihr nichts passiert. Außerdem ist in ihrem Beziehungsvertrag festgeschrieben, dass Christian Anastasia jederzeit fallen lassen kann, sie aber darum bitten muss, aus der Beziehung entlassen zu werden und Christian die Erfüllung dieser Bitte verweigern kann.

Emotionale Manipulation – In mehreren Szenen manipuliert Christian Anastasia gezielt, damit sie genau das tut, was er will. So sagt er ihr bereits ganz am Anfang ihrer Beziehung, er sei gefährlich und sie solle sich von ihm fernhalten. Das ist eine klassische Taktik, die dafür sorgen soll, dass Anastasia viel zu fasziniert ist, um auf Abstand zu gehen, und sich außerdem geschmeichelt von seiner Aufmerksamkeit fühlt. Später gibt Anastasia sich selbst die Schuld, als es schlecht zwischen den beiden läuft, weil sie sich nicht an seine Warnungen gehalten hat, anstatt Christian Grey für sein Verhalten anzukreiden. In einer späteren Szene erzählt Christian Anastasia von seiner schlimmen Vergangenheit, die er als Rechtfertigung für sein Verhalten nutzt. Anastasia müsse deshalb Verständnis für ihn zeigen – ein weiterer Grund, aus dem sie sich nicht traut, sein Verhalten zu kritisieren. Und wann immer Anastasia nicht genau das tut, was Christian von ihr verlangt, wird er wütend und zieht sich zurück, ohne ihr irgendeine Erklärung zu geben. Erst wenn sie haargenau seinen Wünschen entspricht, zeigt er ihr gegenüber wieder Zuneigung, so dass sie sich wieder gewollt fühlt und vor Glück darüber nicht weiter darüber nachdenkt.

Erzwungene Zustimmung – Circa im sechsten Kapitel erklärt Christian Anastasia, dass sie einen BDSM - Vertrag unterzeichnen soll, um mit ihm als seine permanente Submissive zusammen zu sein. Mehrere Kapitel lang ist Anastasia sich dann nicht sicher, ob sie diese Beziehung überhaupt möchte. Schließlich unterzeichnet sie den Vertrag zehn Kapitel später – allerdings erst, nachdem Christian sie bewusst betrunken gemacht hat. Er gibt dies auch offen zu. Angeblich war er der Meinung, sie würde nur dann ehrlich mit ihm kommunizieren. Dabei ist klar, dass die unerfahrene und betrunkene Anastasia dann leichter zu manipulieren ist, so dass er sie dazu überreden kann, den Vertrag zu unterzeichnen und eine permanente D/s – Beziehung mit ihm einzugehen. Eine betrunkene und noch dazu unter emotionalem Druck gegebene Zustimmung zählt dabei aber eigentlich nicht – Anastasia ist in keinem Zustand, in dem sie der Beziehung freiwillig und gut informiert zustimmen kann.

Androhung von (physischer) Gewalt – In mehreren Szenen, bereits lange bevor Anastasia einer BDSM – Beziehung oder überhaupt irgendeiner Art von Beziehung zugestimmt hat, droht Christian ihr mit körperlicher Gewalt. Nachdem Anastasia mit ihren Freund_innen ausgegangen war und sich weigerte, Christian ihren Aufenthaltsort zu verraten, sagt Christian ihr: „Wenn du mein wärst, könntest du nach dem, was du gestern abgezogen hast, eine Woche lang nicht sitzen“. In einer späteren Szene, noch bevor Anastasia den Vertrag unterzeichnet hat, essen die beiden in einem Privatraum in einem Restaurant. Als Anastasia erklärt, sie wäre lieber in der Öffentlichkeit, fragt Christian, ob sie ernsthaft glaubt, das würde ihn aufhalten. In einer anderen Restaurantszene isst Anastasia Christians Meinung nach nicht genug, so dass er ihr droht, sie übers Knie zu legen. Dabei macht er explizit klar, dass es ihm dabei nicht um sexuelle Erregung gehen würde, sondern nur darum, ihr weh zu tun und sie damit zu bestrafen. Als Anastasia scherzhaft versucht, ihn eifersüchtig zu machen, nachdem er ihr sie ohne ihr Wissen in die erste Klasse gesetzt hat, droht Christian an, sie das nächste Mal in einer Kiste im Laderaum transportieren zu lassen und sich auf seine spezielle Weise um sie zu kümmern.

Vergewaltigung/ sexualisierte Gewalt – Im 12. Kapitel ist Anastasia sich sicher, dass sie es nicht aushalten würde, permanent Christians Submissive zu sein und erklärt ihm in einer E-Mail, dass sie das Ende ihrer bisherigen Beziehung und keinen weiteren Kontakt mehr zu ihm wünscht. Christian taucht daraufhin bei ihr zu Hause auf und wirkt so wütend, dass Anastasia beginnt, nach einer Fluchtmöglichkeit aus ihrem Zimmer zu suchen. Er beginnt, sie zu verführen und die beiden landen auf Anastasias Bett. Dann wird ihr klar, dass sie keinen Sex haben, sondern lieber über ihre Beziehung miteinander reden möchte und sie teilt es ihm mit. Als er darauf nicht reagiert, probiert sie aktiv, ihn von sich runter zu bekommen und sagt „Nein“. Christians Reaktion: Er droht, er würde ihr die Füße zusammenbinden, wenn sie probiert, sich zu wehren und sie knebeln, würde sie probieren, Lärm zu machen. Weil Anastasia den Sex aber später genießt, ist das alles überhaupt kein Problem.

Ist es aber doch. „50 Shades of Grey“ ist ein massiv bekanntes und beliebtes Buch, dessen Erscheinen Tonnen von Artikeln darüber, was „Männer von Christian Grey lernen können“ nach sich zog. Es ist eine Trilogie, die jungen Mädchen geschenkt wird. Menschen spielen Szenen aus dem Buch nach. Es gibt Datingseiten, auf denen mensch seinen eigenen Christian Grey finden kann.

Dabei erhält „50 Shades“ gefährliche Mythen über Missbrauch im Leben, zum Beispiel den „Er weiß gar nicht, was er tut! Er wurde traumatisiert und das ist seine Art, damit umzugehen; es ist nicht seine Schuld“ – Mythos oder den „Aber sie kommt doch immer wieder zu ihm zurück, also kann es nicht so schlimm sein“ – Mythos oder den „Aber sie wusste doch, worauf sie sich einlässt“ – Mythos.

Gerade emotionale und psychologische Misshandlung in Beziehungen wird immer wieder übersehen, obwohl sie zu den häufigsten Formen gehört. Fiktion beeinflusst, wie wir die Realität sehen und Christian Greys bedrohliches, kontrollierendes Stalker – Verhalten als romantisch und die größte Liebesgeschichte des Jahres zu verkaufen, kann (und meiner Meinung nach wird es) dafür sorgen, dass Misshandlungen dieser Art weiter unerkannt bleiben, sowohl von Bekannten der Betroffenen als auch von den Betroffenen selbst. Deshalb ist die Beliebtheit von 50 Shades so ein großes Problem und deshalb ist es notwendig, eine ernsthafte Konversation darüber zu führen.

(Den Orginalblogeintrag findet ihr übrigens hier: http://theramblingcurl.blogspot.de/2014/02/fifty-abusive-moments-in-fifty-shades.html
Weitere Infos sind hier: https://50shadesofabuse.wordpress.com/)